Waldumbau und Wildverbiss

Die Verjüngung der Wälder durch Jungpflanzen, die ohne direktes Zutun des Menschen durch den vorhandenen Bestand aufkommen, ist forstwirtschaftliches Ziel in Baden-Württemberg. Diese sogenannte Naturverjüngung hat viele Vorteile. Das Saatgut stammt von lokal angepassten Bäumen, die Keimlinge sind von Anfang an die Standortsverhältnisse angepasst und nicht zuletzt ist eine funktionierende Naturverjüngung kostengünstig. Allerdings können junge Bäume durch äsendes Schalenwild so stark verbissen werden, dass sie nur stark verzögert aufwachsen oder andere, nicht erwünschte und weniger verbissgefährdete Baumarten schneller wachsen und die gewünschten Baumarten verdrängen.

© Jan Geyer

Waldumbau im Klimawandel und Wildverbiss

Seit 1986 wird daher im Rahmen des Forstlichen Gutachtens die Intensität des Verbisses an Baumverjüngung durch Schalenwild geschätzt. Seit 2009 wird zusätzlich zur Verbissintensität das Erreichen der waldbaulichen Ziele auf den Verjüngungsflächen geschätzt. Damit wird berücksichtigt, dass Verbiss erst dann einen Schaden darstellt, wenn er erheblichen Einfluss auf den zukünftigen Bestand hat und die waldbauliche Zielerreichung gefährdet. Die Schätzung dient als Grundlage zur Abschussvereinbarung zwischen den jeweiligen Jagdrechtsinhabern und Jagausübenden in einem Jagdrevier. In Baden-Württemberg erfolgt sie seit dem 01.04.2016 im Rahmen der Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschlussplan (RobA).

Im Fokus des Projekts stehen die Weißtanne und die Eiche. Diese beiden auch im Klimawandel waldbaulich vielversprechenden Baumarten sind besonders verbissanfällig und stellen, auch im Hinblick auf die jüngsten, klimabedingten Waldschäden und große Waldflächen die zur Verjüngung anstehen oder wieder bewaldet werden müssen, die Jagd und den Waldbau gleichermaßen vor eine große Herausforderung.

Obwohl es zahlreiche und wissenschaftlich gestützte Erkenntnisse zum Themenfeld „Waldverjüngung und Wildverbiss“ gibt, fehlt in vielen Bereichen eine Strategie, um diese Erkenntnisse zum besseren Erreichen der waldbaulichen Ziele vor Ort einzusetzen. Stattdessen münden Schwierigkeiten beim Erreichen der waldbaulichen Verjüngungsziele oftmals leider in gegenseitige Schuldzuweisungen statt in die Entwicklung von gemeinsamen Lösungsstrategien. Die unterschiedlichen landschaftlichen Gegebenheiten in Baden-Württemberg verlangen zudem danach, dass Lösungsstrategien regional angepasst sind.

 

Projektziele

Ziel des Projektes ist es, erfolgversprechende Maßnahmen für die Erreichung der waldbaulichen Verjüngungsziele zu identifizieren und diese praxisgerecht zu vermitteln. Hierdurch soll die Entwicklung von regionalen Lösungskonzepten durch die Akteure vor Ort unterstützt werden. Im Einzelnen werden drei aufeinander aufbauende Ziele verfolgt:

  • Praxisgerechte Aufarbeitung von Fachwissen: Als Grundlage für einen konstruktiven Dialog und die zielgerichtete Entwicklung von regionalen Lösungsstrategien rund um Waldumbau, Klimawandel und Wildverbiss wird das vorhandene Wissen in Form eines praxisnahen Ratgebers und eines ausführlichen Review-Papers aufgearbeitet.

  • Lernen von Positivbeispielen / Best practice: Durch den Vergleich von Gebieten mit und ohne Verjüngungsschwierigkeiten (sogenannte Transfergebiete) werden spezifische Stellschrauben für die erfolgreiche Verjüngung der Tanne und Eiche in Baden-Württemberg identifiziert. Hierbei werden sowohl waldbauliche und jagdliche Stellschrauben, als auch die Kommunikationsstrukturen zwischen den Akteuren vor Ort analysiert. Basierend auf den Ergebnissen werden regionalspezifische Lösungskonzepte entwickelt.

  • Das Forstliche Gutachen soll als zentrales Instrument der Abschussplanung weiterentwickelt und seine Anwendung gestärkt werden. >> weiterführende Informationen zum Forstlichen Gutachten

 

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Seite des Wildtierinstituts der Forstlichen Versuchs und Forschungsanstalt

© FVA

Ansprechpersonen

Max Kröschel

Forstliche Versuchs-und Forschungsanstalt - Abteilung FVA-Wildtierinstitut

Wonnhaldestr. 4

79100 Freiburg

Max.Kroeschel@forst.bwl.de

+49 (0) 761 4018-379